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ter im Freihaus eine Anekdote in der Theater­geschichte geblieben. Nach dem Leopoldstädter Theater war das Freihaustheater 1787 das zweite Vor-stadttheater Wiens. Im Juli 1789 er-öfnete Schikaneder seine Ära in dem einfachen Theaterbau mit der komi-schen Oper Der dumme Anton im Gebür-ge oder Die zween Anton und mit einem ähnlichen Programm ging es weiter: Zauberopern wie Oberon, König der Elfen , Opernparodien, Märchenspiele - die Musik, schon damals Massenwa-re, bis auf einige Auführungen von Haydn oder Gluck.

Schikaneders Theater entstammte einer Tradition des Wiener Volksthea-ters, das sich im 17. Jahrhundert vom

Hanswurst und Kasperl , die die Jahr-marktbühnen bevölkerten, über Au-toren wie Stranitzky zu Bäuerle und seine Figur des Staberl und zu Raimund und Nestroy führte. Während Adel und etabliertes Bürgertum in den The-atern der Stadt mit Historiendramen (wozu auch Shakespeare zählte), Schä-ferspielen und ersten bürgerlichen Trauerstücken unterhalten wurden, regierte auf den Volksbühnen der Vor-stadt ein mitunter derber Spaß. Die in der Sprache des Volkes geschriebe-nen und teilweise auch improvisierten Stücke waren aber auch bei adeligen Besuchern aus der Stadt beliebt, selbst der Kaiser besuchte Auführungen in

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og von der erbär . h-ozarts am 30. 1791 ika-Wen-einer arrie-e und

ließ sein Theaterunternehmen in die Geschichte eingehen. Bis zur Schlie-ßung des Theaters 1801 wurde die

Zauberföte 223 Mal gegeben. Am Tag nach der Schließung eröfnete Schika-neder schon das Theater an der Wien , ging aber bald Bankrott und starb verarmt 1812 in der Florianigasse. Die Tradition des Wiener Volkstheaters wurde durch die Metter­nich‘sche Zen-sur stark bedrängt, aber in den Stü-cken Johann Nestroys auch zu neuen Höhenfügen angestachelt.

Mozarts Komponierhäuschen, das im Hof des Freihauses stand, wurde 1873 nach Salzburg gebracht und ist heute im Hof des Mozarteums aufgestellt.

Margaretenstraße 27 „Zum Schwarzen Bock”

Wo heute ein fantasieloser Neu-bau steht, befand sich ein legendär-es Unterhaltungslokal des frühen 19. Jahrhunderts: das Gasthaus Zum schwarzen Bock , in dessen Saal be-kannte Orchester zum Tanz aufspiel-ten. So auch Josef Lanner mit seiner Kapelle, der seit über zwei Jahren auch der junge Johann Strauß Vater angehörte. Vom Typ und vom Tem-

perament verschieden - die Wiene-rInnen nannten den hochgewachse-nen, blonden Lanner Flachskopf , den dunkleren Strauß derb Mohrenschädel - verstanden sie sich prächtig, bis am Abend des 2. September 1825 Strauß seinem Freund verkündete, dass er sein Orchester verlassen möchte, um sich künstlerisch auf eigene Füße zu stellen. Lanner hatte dafür Verständ-nis, als sie aber nach dem Konzert des Abends den Musikern der Kapelle ihre Entscheidung mitteilten, brach Unmut aus. Als einige Musiker die Kapelle mit Strauß verlassen wollte, beschimpfte Lanner die Abtrünnigen und löste damit einen Tumult aus, der mit dem Bruch eines Spiegels en-dete, den wohl einer der fiegenden Stühle verursacht hatte. Doch nicht nur das vor der Zeit seiner industri-ellen Fertigung wertvolle Spiegelglas war zerbrochen, auch die Freund-schaft zwischen Lanner und Strauß erhielt einen schwer zu kittenden Riss, dem Lanner in seinem Tren-nungswalzer (op.19) Ausdruck verlieh. Gleichzeitig war dieser Abend auch der Startschuss für den musikali-schen Wettkampf zwischen Lanner und Strauß, der das tanzwütige Wien fast zwei Jahrzehnte begeisterte.

F E S T L I C H E W I E D E N

„Zum schwarzen Bock”: Das Bild, nach der Natur gezeichnet und in Holz geschnitten, [...] datiert aus den Dreissiger-Jahren [1830er]. Wir sehen den Saal bereits bis zum höchsten Luxus verfeinert, die früheren Holz- und Riegelwände machten geschmackvollen Tapeten Platz und an die Stelle der mit Unschlitt [Lampen mit brennbarem Öl] beleuchteten ärmlichen Wände kamen jetzt Luster, Spiegel und feingewirkte Teppiche und Gardinen, kurz die Bälle, namentlich im Fasching, gestalten sich stets zu den gemütlichsten und lustigsten Festen der Wiener. Nach den Märztagen [1848] geriet dieses Etablissement in Verfall und zuletzt in gänzliche Vergessenheit. (Wilhelm Kisch: Alte Straßen und Plätze. Wien 1895)

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